Presse

SZ 20.März 2014
GEHEIMNISSE IM NÄHKÄSTCHEN
Zwei Neustädterinnen setzen Licht und Dunkelheit an ungewöhnlichen Orten in Szene.
Von Ulrike Kirsten

Christiane Guhr und Anne Ibelings stellt niemand in den Schatten. Zumindest, wenn sie die bezaubernde Geschichte von einem Vagabunden, der nichts besitzt, nicht mal einen Namen, erzählen. Der Landstreicher zieht durch die Welt, findet Sinn in allem schönen Unsinn und bekommt am Ende nicht nur seinen Namen, sondern noch obendrein eine kugelrunde Frau, die ihn mag. „Unsere Stücke sind zwar vor allem für Kinder gedacht, aber sie sollen genauso Erwachsene verzaubern und berühren“, sagt Christiane Guhr.
Das Stück, in kleinen Schaukästen verpackt, haben die studierte Kunsthistorikerin und Anne Ibelings zum ersten Mal auf dem Scheune-Schaubuden-Sommer 2013 gezeigt. Diese sind an einem etwa zwei Meter hohen und ein Meter breiten Holzrahmen montiert. Während Ibelings hinter diesem steht und die Stücke live illustriert, Papierbilder ent- und wieder einrollt, Ausziehpuppen und bewegliche Accessoires wie einen alten Nähkasten auf- und zuklappt, sitzt Guhr direkt neben den Zuschauern. Mit Mikrofon und Taschenlampe in der Hand. Ich bin sozusagen die Erzählerin […] Nacheinander lüften die beiden immer mehr Geheimnisse. Der Wechsel von Licht und Schatten sind dabei die wichtigsten dramaturgischen Mittel.

Ihr Theater ist kritisch und originell

Die Orte, die sie bespielen, sind ebenso originell wie ihre Requisiten. Die beiden jungen Neustädterinnen machen dabei Plätze wie Lkws und Container, zu ihrer Bühne.[…] Pappschattira, ihr Schaukastentheater, möchten sie gern über Dresden und den Schaubudensommer hinaus bekannt machen. Dort, wo sie zum ersten Mal gemeinsam aufgetreten sind, haben sich Guhr und Ibelings vor drei Jahren kennengelernt.
Die studierte Illustratorin konnte sich an Guhrs Stimme nicht satt hören. Bei einer szenischen Lesung formulierte sie Lebensläufe von Besuchern des Schaubuden-Sommers, die die Theaterwissenschaftlerin zuvor nach prägenden Ereignissen befragt hatte. Wie dem sinnlichsten Moment der letzten 24 Stunden oder den ersten Erinnerungen an das eigene Leben. Extrakt des Lebens nennt Christiane Guhr das Theater-Projekt.
„Wenn ich das mit Anne in einer Art Performance aufführe, dann werfe ich ihr die Worte zu, während sie hinter einer Wand aus Pergamentpapier sitzt und ein Bild dieses Menschen malt. Das Spannende daran ist, dass Anne die Texte nicht kennt.“

[…] Koffer, alte Fensterrahmen, ein Globus. Durchaus kritisch ist die neue Inszenierung, Ophelias – Schattentheater, in dem eine ältere Dame, die als Souffleuse am Theater gearbeitet hat, ihre Arbeit verliert. Als sie ein einsamer herrenloser Schatten aufsucht, fasst die tief betrübte Frau wieder Mut und beginnt mit dem Schatten Theater zu spielen.

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